Wie agieren in Trumps „America first“ ?

Kaum ein Tag vergeht, an dem der US-Präsident nicht mit einer Nachricht oder einen Tweet für Kopfschütteln sorgt. Die Hoffnung, dass Donald Trump viele seiner Wahlkampfparolen als Präsident vergisst, erfüllt sich bislang nicht. Was bedeutet das für das US-Geschäft deutscher Unternehmen? Muss sich der Einkauf jetzt neu positionieren?

In eine seiner ersten Amtshandlungen verfügte Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TTP und machte damit der Weltöffentlichkeit unmissverständlich klar: Ein Verfechter des Freihandels wird er auch als US-Präsident nicht.

Protektionismus nicht mehr verbannt

Das hat sich auch beim jüngsten Treffen der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs gezeigt. Die Teilnehmer mussten zäh um eine gemeinsame Erklärung ringen: Statt sich wie bei früheren Treffen klar zum Freihandel zu positionieren, einigte man sich auf die Formulierung, dass man gemeinsam „den Beitrag des Handels zu unseren Volkswirtschaften stärken“ wolle.

„Fairer Handel“ dank Strafzölle

Dabei spricht Trump vornehmlich von einem „fairen Handel“, den er mit Strafzöllen für Importe und einer Grenzausgleichssteuer für sein Land erzielen will. Auch ein schwacher US-Dollar soll Wettbewerbsvorteile verschaffen - so wie es in seinen Augen China und Deutschland schon seit Jahren machen. Bisher gültige internationale Handelsabkommen sollen durch bilaterale Verträge ersetzt werden.

Was trägt der Kongress mit?

Welche dieser Vorschläge sich umsetzen lassen, kann nur vermutet werden. Noch ist unklar, wie weit der Kongress dem Präsidenten folgt. Bei der Reform von Obamacare haben auch einige Republikaner ihm die Zustimmung verweigert. Auf dem internationalen Parkett findet Trumps Abkehr von einer liberalisierten Wirtschaftsordnung verständlicherweise wenig Zuspruch. Immerhin haben sich die Akteure der meisten Volkswirtschaften „global“ ausgerichtet. Trumps anvisierter Kurs wirbelt Gewohnheiten durcheinander und erfordern eine Überprüfung der Lieferantenbeziehungen.

Was könnte sich ändern?

Zwar lassen sich Importzölle nicht einfach so erheben, dazu muss der US-Kongress ein Gesetz verabschieden. Allerdings gibt es einige Ermächtigungen, die dem Präsidenten in besonderen Fällen - wie etwa Krieg - erlauben, Zölle alleine in Kraft zu setzen. Nach Ansicht einiger Experten könnten die US-Militäraktionen in Nordafrika oder Syrien ausreichen, Handelsrestriktionen zu erlassen. Immerhin hat Richard Nixons auf dieser Grundlage 1971 einen zehnprozentigen Importzoll eingeführt, weil die USA im Vietnamkrieg involviert waren. Trumps bisheriges Vorgehen hat gezeigt, dass er seine Ideen auch durchzusetzen versucht, wenn er sich rechtlich auf dünnem Eis bewegt.

Exportförderung durch Steuer

Nach dem Scheitern in der Gesundheitspolitik will Trump nun mit einer Steuerreform bei seiner Wählerschaft punkten. Der Steuersatz soll den Plänen zufolge deutlich sinken und dabei so ausgestaltet werden, dass Exporte der USA gefördert und Importe erschwert werden. Diskutiert wird auch, ob statt des Gewinns der Cashflow als Bemessungsgrundlage dienen soll. Vorteil: Anschaffungen müssen nicht mehr über viele Jahre abgeschrieben werden, sondern wirken unmittelbar steuermindernd. Damit sollen Investitionen gefördert, Wirtschaftswachstum generiert werden. Das gilt für alle Gesellschaften, die in den USA Steuern bezahlen. Somit könnten auch deutsche Unternehmen mit US-Niederlassungen profitieren.

Kritischer Grenzausgleich

Wohl gravierendere Auswirkungen hätte der geplante „steuerliche Grenzausgleich“: Demnach würden Importzahlungen nicht mehr als Ausgaben abgesetzt werden dürfen, während Exporteinnahmen nicht mehr versteuert werden müssten. De facto würden hier Importzölle erhoben und Exporte staatlich subventioniert.

Höheres Geschäftsrisiko

Angesichts globaler Wertschöpfungsketten wäre eine Grenzausgleichssteuer für viele Unternehmen eine erhebliche Belastung. Zwar würde eine solche Abgabe wahrscheinlich die Welthandelsorganisation (WTO) auf den Plan rufen, Sanktionsmöglichkeiten hat die Handelsorganisation jedoch keine. Vielmehr besteht die Gefahr, dass andere Staaten mit weiteren Handelsbarrieren folgen. Unsicherheit und Risiken haben sich durch Trump, Brexit und populistische Tendenzen zuletzt deutlich erhöht.

Supply-Chain unter Kontrolle

Darauf müssen sich Führungskräfte international agierender Unternehmen – insbesondere Einkaufsmanager – nun vorbereiten. Nun gilt es die Beschaffung so abzusichern, dass die Wertschöpfungskette protektionistischen Maßnahmen standhält.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass durch Sanktionen vor allem Beschaffungskosten steigen. Im schlechtesten Fall kann gar die Produktion in Gefahr geraten. Das zu verhindern, ist nun Aufgabe von Einkauf und Beschaffung.

Abhängigkeiten erkennen und evaluieren

In einem ersten Schritt gilt es, den kompletten Einkaufsprozess mit Zahlen zu belegen. Wer nicht dank eines professionellen Supply-Chain-Controllings seine Daten parat hat, kann die Hilfe von externen Beratern in Anspruch nehmen. Der gesamte Beschaffungsprozess sollte transparent sein, Abhängigkeiten erkannt und kritische Stellen markiert werden. Dazu zählt auch, dass man anhand von konkreten Zahlen die Auswirkungen möglicher Sanktionen beziffern und Simulationsrechnungen aufstellen kann. Welchen Beschaffungspreis kann man bezahlen, damit die Produktion wirtschaftlich bleibt?

Plan B in der Schublade

Eine detaillierte Zahlenbasis ist nötig, um Handlungsalternativen zu generieren und einen Plan B aufzustellen. Global Sourcing galt lange als Garant für günstige Kosten und beste Qualität. Sanktionen können diese Pluspunkte konterkarieren. Daher sollten nun neue Netzwerke geknüpft und kritische Lieferprozesse durch Alternativen abgesichert werden, um so Waren- und Dienstleitungsflüsse langfristig zu stabilisieren.

Lieferantenrisiken reduzieren

Mehr Lieferanten bedeuten zunächst höhere Kosten und mehr Personal: Verträge müssen ausgearbeitet, Qualitätskontrollen implementiert und Beschaffungsstrukturen angepasst werden. Dem steht ein gesunkenes Risiko für Störungen in der Wertschöpfungskette gegenüber. Eine Duale-Sourcing-Strategie, bei der für jede kritische Komponente eine alternative Beschaffungsquelle zur Verfügung steht, kann die Sicherheit erhöhen.

Länderrisiken neu bewerten

Es zeichnet sich ab, dass sich unter dem neuen US-Präsidenten Länderrisiken verschieben könnten. Während Trump gegenüber China und Kuba einen härteren Ton anschlägt als sein Vorgänger, scheint er gegenüber dem Handel mit Russland aufgeschlossener. Deutschland ist ihm angesichts des in seinen Augen hohen Handelsbilanzüberschusses ein Dorn im Auge. Das Gleiche gilt für Südamerika, insbesondere Mexiko, wo viele Gesellschaften für den US-Markt fertigen lassen.

Deutsche Unternehmen mit US-Niederlassungen, die tendenziell enge Verknüpfungen mit dem Heimatmarkt unterhalten, sollten Trumps Länderpolitik im Auge behalten und mögliche Änderungen im Beschaffungsprozess antizipieren.

Suche nach lokalen Partnern

Allerdings lässt sich die von Donald Trump anvisierte Strategie, dass Unternehmen, die in den USA ihre Produkte veräußern auch ihre Vorleistungen dort einkaufen, vor allem bei technischen Vorprodukten nicht so einfach umsetzen. Nicht selten fehlt es an den nötigen Rohstoffen, dem Know-how von Fachkräften und technischen Möglichkeiten vor Ort. Dennoch sollten sich Einkäufer durchaus nach lokalen Partnern umsehen. Denkbar wäre auch, dass regionale Zulieferer mit bisherigen Herstellern Kooperationen eingehen, um Qualität und Wissen gemeinsam zu generieren. Daraus könnte sich eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ergeben.

Best-Cost-Country-Ansatz von Efficio

Noch sind Trumps Pläne mit vielen Fragezeichen versehen. Aber der neue US-Präsident hat die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die US-Industrie zu fördern. Das wird er auch in irgendeiner Form umsetzen. Deshalb ist nun der Zeitpunkt, um die Einkaufsstrukturen einer genauen Analyse zu unterziehen. Die Berater von Efficio haben einen „Best-Cost-Country-Ansatz“ entwickelt, der genau analysiert, in welchem Land welche Materialien, Komponenten oder Rohstoffe im Hinblick auf Kosten, Strategie und Risiko eingekauft werden sollten. Eine solche Analyse bildet ein solides Fundament in unsicheren Zeiten und zeigt jedem Unternehmen seine Handlungsalternativen auf.

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte den Autor Tim von der Decken.

Über den Autor

Tim von der Decken Vice President