Warum es beim Outsourcing nicht länger nur darum geht, Kosten einzusparen

Autor: Ian Bolger
Beim Outsourcing stehen heutzutage nicht mehr Kosteneinsparungen allein im Mittelpunkt. Der Unternehmensfokus ist vielmehr darauf gerichtet, schneller an fähige Mitarbeiter zu kommen und eine höhere Agilität des Produkt- und Dienstleistungsangebots zu erreichen.

Outsourcing ist ein globaler Markt mit einem Wert von schätzungsweise über 600 Milliarden US- Dollar pro Jahr. Es erstreckt sich heute auf alle Facetten von Dienstleistung, Lieferkette und Herstellung.

Prioritäten ändern sich. Die zunehmende Verbreitung von Nearshoring und Onshoring setzt für viele Outsourcing-Projekte neue Trends.

Veränderte Beweggründe

Kosteneinsparungen sind nicht länger der Hauptgrund für das Outsourcing. Nach einer Studie der amerikanischen Duke University in Zusammenarbeit mit der International Association of Outsourcing Professionals (IAOP) betreiben 4 Fünftel (80 %) der befragten Unternehmen Outsourcing zur Verbesserung ihrer Unternehmensleistung und ihres allgemeinen Betriebsmodells.

Der Wert des Outsourcing wird weniger an den eingesparten Kosten gemessen als vielmehr daran, wie es durch schnellen Zugang zu fähigen Mitarbeitern sowie durch höhere Agilität und höhere Dienstleistungsqualität zu strategischem Wachstum beitragen kann.

Die folgenden Beweggründe spielen bei der Entscheidung für Outsourcing eine zunehmend wichtige Rolle:

1. Agilität

Die Fähigkeit, sich schnell auf neue Kundenbedürfnisse sowie auf neue Märkte und geänderte Marktbedingungen einstellen zu können. Durch Zugriff auf einen größeren Pool externer Arbeits-  und Fachkräfte können Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter je nach Bedarf flexibel erhöhen oder verringern.

2. Investitionen

Es ist in vielen Fällen effektiver, die vorhandenen bewährten Tools, Systeme, Prozesse und Mitarbeiter eines Dienstleisters zu nutzen als intern in weniger effektive eigene Versionen zu investieren oder diese zu entwickeln.

3. Geschwindigkeit

Das Outsourcing kann einen rasanten Entwicklungssprung bei Fähigkeiten und Qualifikationen ermöglichen.

Näher dran

Während das Outsourcing immer mehr für strategische und weniger für transaktionale Tätigkeiten Anwendung findet, wächst das Nearshoring in Arbeitsmärkten mit höheren Kosten und besser ausgebildeten Arbeitskräften.

Beispiel IT-Bereich:

In den USA und in anderen Industrieländern, in denen  Qualität maßgebliches Entscheidungskriterium ist, etabliert sich ein Umdenken weg vom Motto „billiger ist besser‟.

Laut einer IAOP-Studie gelten die USA bei IT-Unternehmen weltweit als attraktivste Region für Expansionen. In den kommenden 2 Jahren werden dort weitere Dienstleistungszentren entstehen. Mit der Automatisierung vieler routinemäßiger IT-Arbeiten schrumpft der globale Arbeitskräftepool für das IT-Outsourcing und die Nachfrage nach besser ausgebildeten Arbeitskräften steigt.

Damit sinken die Chancen, diese Arbeiten in wesentlich kostengünstigere Arbeitsmärkte auszulagern. Und tatsächlich sind IT-Outsourcing-Verträge zwischen 2011 und 2012 um immerhin 20 % zurückgegangen. Ein aktueller Gartner-Report prognostiziert für das Outsourcing von IT-Dienstleistungen im Ausland einen Rückgang von mindestens 15 % bis 2016.

Mit dem Rückgang des Outsourcing im Ausland legen Nearshoring und Insourcing (der externe Dienstleister sitzt mit im Unternehmen) weiter zu. Unternehmen wollen für ihre strategischen Projekte speziell zugeschnittene Lösungen, die den Vorteil bieten, dass sie besser in die jeweilige Unternehmenskultur zu integrieren und auf das Dienstleistungsversprechen gegenüber dem Kunden abzustimmen sind.

Unternehmen der Finanzdienstleistungsbranche vermarkten ihr Onshoring mittlerweile aktiv als spezielle Strategie, um ihr Dienstleistungsangebot für ihre Kunden positiv abzuheben.

Unternehmen suchen in diesem Sinne heute geografisch näher gelegene Outsourcing-Lösungen, die vielleicht geringere Kosteneinsparungen, aber dafür besser ausgebildete Arbeitskräfte bieten und zudem weniger logistische, kulturelle und sprachliche Hürden bereithalten.

Der Kampf um Talente

Unternehmen befinden sich vermehrt mit Outsourcing-Anbietern im direkten Wettbewerb um fähige Arbeitskräfte, haben aber Schwierigkeiten, die gleichen gewünschten flexiblen Arbeitsbedingungen und Karriereherausforderungen zu bieten. 

Talente empfinden Outsourcing-Anbieter als zunehmend attraktiver, weil Vollzeitpositionen in Unternehmen weniger Sicherheit, ein höheres Stresspotenzial und weniger Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Der Trend wird dadurch verstärkt, dass ausgelagerte Tätigkeiten immer weniger im nicht-strategischen transaktionalen Bereich liegen und es sich vermehrt um anspruchsvollere strategische Aufgaben handelt, die nur von gut ausgebildeten Arbeitskräften angemessen zu bewältigen sind. Dadurch kann es für einige Unternehmen schwierig werden, wichtige Positionen mit angestellten Vollzeitkräften zu besetzen, insbesondere solche, die spezielle fachliche Qualifikationen erfordern, für die es bereits eine große Nachfrage gibt

Outsourcing ganzer Funktionsbereiche

Das Outsourcing wird in immer komplexeren, strategischen Funktionsbereichen betrieben – darunter viele, die Expertise für Branchen, Verfahren, Regulierung oder spezielle Arbeitsaufgaben bereitstellen. Im letzten Jahr wuchs allein der BPO-Markt um 12 %.

In den USA werden jährlich Dienstleistungen im Wert von etwa 1 Milliarde US-Dollar vergeben bzw. wiedervergeben. Einer HfS-Studie zufolge ist für den BPO-Markt bis 2017 eine jährliche Wachstumsrate von 6 % zu erwarten.

Die Bereiche Finanzwesen/Buchhaltung und Personalwesen verzeichneten das größte Outsourcing- Wachstum, was darauf zurückzuführen ist, dass bereits outsourcende Unternehmen in immer mehr Bereichen Aufgaben und Dienstleistungen auslagern. Auch für Einkauf und CRM wird ein starkes Wachstum erwartet, da mehr Unternehmen eine Transformation ihrer Kostenstruktur sowie die verstärkte Nutzung von Mehrwertdiensten in den Bereichen soziale Medien und Business  Intelligence erwägen. Weitere Ergebnisse der Studie:

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Outsourcing für mittlere Unternehmen

Mit der Reifung des BPO-Marktes und der Ausentwicklung seiner Modelle für die Dienstleistungserbringung können kleinere Unternehmen heute oft noch besser vom Outsourcing profitieren als größere. Für sie geht es normalerweise nicht primär um Skaleneffekte, sondern um einen raschen „Import‟ funktionaler Expertise aus einem Netzwerk erstklassiger Dienstleister.

Für einige sind die zum Erreichen funktionaler Exzellenz erforderliche Geschwindigkeit und die Kosten zu hoch, dazu kommt die große Ungewissheit der erfolgreichen Umsetzung. Das Risiko des Scheiterns ist einfach zu hoch. Die benötigten Dienstleistungen einzukaufen ist eine erfolgversprechende Lösung zur raschen Erweiterung von Qualifikationen. Das erspart dem Unternehmen den aufreibenden Kampf um fachlich spezialisierte Talente und die Verwendung wertvoller Investitionsmittel, die auch in wichtige Wachstumsprojekte gesteckt werden könnten.

Gemäß Studie von HfS und London School of Economics unter 277 Outsourcern planen mehr als 2 Drittel (73 %) der befragten mittleren Unternehmen, bereits bestehende Auslagerung ihrer Geschäftsprozesse ins Ausland in den nächsten 18 bis 36 Monaten auszuweiten. Im vergangenen Jahr waren es nur 55 %

Bei den größeren Unternehmen sind es nur 41 %, die für den gleichen Zeitraum eine Ausweitung des Offshoring ihrer Geschäftsprozesse planen, und damit weniger als im vergangenen Jahr, wo der Anteil bei 52 % lag.

Für kleinere Unternehmen, so scheint es, hält die Outsourcing-Reise mehr Nutzen und Effektivität bereit. 63 % der befragten mittelständischen Outsourcer gaben an, dass ihre Outsourcing-Initiativen hinsichtlich der Kostenreduzierung sehr erfolgreich gewesen seien. Bei den größeren Unternehmen sagten dies nur 44 %.

Über den Autor

Ian Bolger Vice President

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