Korea-Konflikt: Gefahr für die Supply-Chain?

Die Drohungen zwischen US-Präsident Donald Trump und der Führung Nordkoreas schüren die Angst vor militärischer Gewalt. Dadurch hat sich das Geschäftsrisiko für südkoreanische Unternehmen und die Supply-Chains ihrer Geschäftspartner erhöht.

Eine weitere Zuspitzung im Streit um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm könnte auch für europäische Unternehmen zum Problem werden: Seoul und Brüssel haben mit dem Freihandelsabkommen 2011 ihre Beziehungen intensiviert. Das Land am Han-Fluss ist der achtgrößte Import- und neuntgrößte Exportmarkt für die EU – noch vor Indien, Kanada und Brasilien.

Südkorea – Musterbeispiel einer erfolgreichen Handelsliberalisierung

Innerhalb von fünf Jahren sind rund 99 Prozent aller Zölle weggefallen, die EU-Exporte nach Südkorea sind im gleichen Zeitraum um 55 Prozent gestiegen, aus Deutschland sogar um 70 Prozent. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Südkorea heute die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt und gehört in einigen Branchen zu den wichtigsten globalen Anbietern. 

Bedeutende südkoreanische Wirtschaftssektoren

  • Halbleiter – Markt- und Technologieführer in der DRAM-Chip-Produktion (Samsung, SK Hynix)
  • Schiffbau – größte Werftindustrie der Welt (Hyundai Heavy Industries, Samsung Heavy Industries, Daewoo)
  • Stahl – sechstgrößte Stahlindustrie (Posco, Hyundai Steel)
  • Kfz – fünftgrößter Hersteller weltweit (Hyundai - Kia)
  • Haushaltselektronik – Technologieführer bei HD-TV und OLED (LG Electronics, LG Display)    

Südkorea profitiert vom Halbleiter-Boom 

Noch haben die verbalen Attacken aus Pjöngjang und Washington die südkoreanische Wirtschaft nicht beeinträchtigt. Die Exporte kletterten im ersten Quartal 2017 um 15 Prozent auf 132 Milliarden Dollar. Das Plus verdanken koreanische Unternehmen vor allem einer starken Nachfrage nach Halbleitern, elektronischen Bauteilen und dem Chemiesektor. Chiphersteller Samsung konnte für das zweite Quartal 2017 einen Rekordgewinn vermelden, auch Wettbewerber SK Hynix verzeichnete ein sattes Umsatzplus. 

Marktmacht bei Halbleitern und Bildschirmen 

Neben den Halbleitern haben koreanische Anbieter im Bereich Bildschirmtechnik die Nase vorn. Branchenprimus LG Display und Samsung Electronics haben frühzeitig das Potenzial organischer Leuchtdioden (OLED) erkannt und ausländische Konkurrenten wie Japan Display abgehängt. Unter anderem soll Apple im neuen iPhone 8 auf OLED-Technik setzen. Südkoreanische Bauteile sind fester Bestandteil in vielen Lieferketten, daher schauen nicht wenige CPOs derzeit nervös nach Osten.

Koreanischer Ausfall könnte Elektroniklieferketten ins Stocken bringen

Eine militärische Verschärfung des Konflikts in Südkorea könnte die weltweite Produktion vor allem im Bereich Elektronik aus dem Gleichgewicht bringen und sich auf die Verfügbarkeit von Smartphones, Bildschirmen, Computern und Tablets negativ auswirken. Rund ein Viertel der südkoreanischen Exporte machen elektronische Erzeugnisse aus, danach kommen mit 13 Prozent Kraftwagen und auf Platz drei Maschinen.

China und USA am stärksten mit Südkorea verknüpft

Am stärksten wäre China von einem südkoreanischen Produktionsausfall betroffen. Mehr als ein Drittel der Exporte gehen nach China und Hongkong, wo diese Teile größtenteils verbaut und weitergereicht werden. An zweiter Stelle stehen die USA, wohin rund 13 Prozent der südkoreanischen Direktausfuhren fließen. Aber auch viele in China hergestellte Smartphones und Tablets, die mit Komponenten aus Seoul und Umgebung zusammengebaut werden, sind für amerikanische und europäische Verbraucher bestimmt.

Deutscher Handelsbilanzüberschuss mit Südkorea

  • In Deutschland landen 1,2 Prozent der koreanischen Exporte.
  • Südkorea liegt mit 7,7 Milliarden Euro auf Rang 27 der deutschen Importstatistik.
  • Rund ein Drittel der Einfuhren entfallen auf Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse, gefolgt von Kraftwagen und Chemieprodukten.  
  • Deutsche Unternehmen haben 2016 Waren im Wert von 17 Milliarden Euro nach Südkorea verkauft, vor allem Kfz und Kfz-Teile, Maschinen und Chemische Erzeugnisse.

Auswirkungen auf die Logistik möglich 

In Südkorea leben Unternehmen seit Jahrzehnten mit den Provokationen aus dem Norden und versichern auch aktuell wieder, dass man sich für mögliche Ernstfälle vorbereitet hat. Dennoch: Der Worst Case würde nicht nur die südkoreanischen Gesellschaften und ihre Lieferfähigkeiten treffen, sondern auch die Verschiffung aus anderen asiatischen Ländern beeinträchtigen: Fristen würden möglicherweise nicht eingehalten werden, Produkte könnten sich verteuern.

Supply-Chain auf den Prüfstand

Der Korea-Konflikt gibt Anlass, die Abhängigkeit der Supply-Chain zu überprüfen und eventuell alternative Geschäftsbeziehungen anzubahnen. Dabei sollten auch die Länderrisiken der eigenen Lieferanten einbezogen werden. Vor allem CPOs mit Halbleitern und Displays in ihren Warengruppen sollten sensibilisiert sein - auch hinsichtlich möglicher Preisanstiege, selbst wenn sie selbst nicht direkt in Südkorea bestellen. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Angebote in Alternativländer wie Taiwan, Japan, China und Indien verschieben, weil Großabnehmer hier neue Lieferanten erschließen.

Einkaufsberater von Efficio können unterstützen

Bei der Frage, welche strategischen Maßnahmen nun sinnvoll sind, helfen die Unternehmensberater von Efficio. Die Einkaufsberater verfügen über langjährige Erfahrung im internationalen Lieferantenmanagement und evaluieren Supply-Chain-Risiken unter Einbeziehung sämtlicher Kosten einer Krise. Um weitere Informationen zu erhalten, wie Efficio Sie bei der Optimierung Ihrer Supply-Chain unterstützen kann, kontaktieren Sie uns hier.

Über den Autor

Tim von der Decken Vice President

Peel Ports Group: Einsparungen durch Einkaufstransformation
Fallstudie
Peel Ports Group: Einsparungen durch Einkaufstransformation

Lesen Sie in unserer Fallstudie, wie der führende Hafenbetreiber Peel Ports seinen Einkauf umgestaltete, um nicht nur kommerziell erfolgreicher zu sein.