Private Equity: Wertsteigerung dank Einkaufsoptimierung

Autor: Declan Feeney
Führende Private-Equity-Gesellschaften sorgen trotz eines niedrigen Wirtschaftswachstums und eines starken Wettbewerbs im Markt durch die Optimierung des Einkaufs für eine spürbare Wertsteigerung ihrer Portfoliounternehmen. Unternimmt Ihre Firma bereits genug? 

Bereits seit einigen Jahren spüren Private-Equity-Unternehmen einigen Gegenwind, wenn es darum geht, spürbare Wertsteigerungen ihrer Portfolio-Firmen zu erzielen, denn das Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Märkten bewegt sich nur auf enttäuschendem Niveau. In vielen Ländern erreicht der Anstieg des BIPs nicht einmal 2 % und angesichts der Prognosen wird diese Schallmauer in kommender Zeit auch kaum durchbrochen werden. Daher kann man davon ausgehen, dass das wirtschaftliche Wachstum nicht allzu viel Unterstützung für die Portfolios bieten wird.

Zweifellos ist dies eine herausfordernde Ausgangslage, auf deren Basis Private-Equity-Unternehmen den Wert ihrer Investments in Portfoliounternehmen steigern müssen. Aber es gibt eine Reihe von Hebeln, die sie nutzen können, um das EBITDA zu steigern und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen.

Die lockere Geldpolitik der letzten Jahre hat zudem zusammen mit den starken Kapitalbeschaffungsimpulsen der Industrie zu einer Inflation der Asset-Preise geführt.

Und die Geldspeicher sind gut gefüllt: Das globale Private-Equity-Kapital hat in den letzten Jahren neue Höchststände erreicht. Das dürfte dazu führen, dass in den kommenden Jahren weiterhin starker Wettbewerb um interessante Deals herrschen wird.

Hinzu kommt weitere Konkurrenz durch strategisch orientierte Käufer, die sich nach attraktiven M&A-Möglichkeiten umsehen. Es überrascht daher kaum, dass sich die Konditionen der Deals in der letzten Zeit nach oben geschraubt haben.  

Die Antwort der Private-Equity-Unternehmen

Zweifellos ist dies eine herausfordernde Ausgangslage, auf deren Basis Private-Equity-Unternehmen den Wert ihrer Investments in Portfoliounternehmen steigern müssen. Aber es gibt eine Reihe von Hebeln, die sie nutzen können, um das EBITDA zu steigern und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen:

  1. Akquisitorische Strategien – "Buy & Build" – um zu skalieren und mehr beim Exit zu erzielen, sind ein wichtiger Trend der letzten Zeit. 
  2. Die Stärkung des Umsatzwachstums durch Erhöhung der Verkaufszahlen, Verbesserung der Preisstrukturen und das Erschließen neuer Regionen und Nischenmärkte ist ein weiteres wichtiges Mittel, um den Kapitalwert zu steigern.
  3. Der dritte wichtige Trend ist die Optimierung der Kostenbasis durch mehr Effizienz bei Einkauf und Supply Chains, um Ausgaben zu reduzieren. Durch Rationalisierung des Einkaufs handelt es sich hier gleichfalls um einen wirksamen Hebel in Buy-&-Build-Situationen.

Die Evolution des Einkaufs

Derzeit erleben wir ein steigendes Interesse vieler Private-Equity-Unternehmen an der dritten Strategie mit dem Ziel, erhebliche Einsparungen zu realisieren – nicht nur kurzfristig, sondern durch den gesamten Lebenszyklus des Deals. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Ausgaben für die Beschaffung in den meisten Unternehmen bei 50 bis 80 % des Umsatzes liegen, wird deutlich, welches enorme Wachstumspotenzial in der Optimierung der Kostenbasis verborgen ist. Dennoch bekommt dieser Aspekt oft nicht die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient.

Sehen wir uns als Beispiel ein Portfolio-Unternehmen mit einem Umsatz von 300 Mio. € und einem EBITDA von 30 Mio. € an, das 200 Mio. € für die Beschaffung ausgibt. Typischerweise können im Zuge eines Programms für Einsparungen beim Einkauf etwa 50 % bzw. 100 Mio. € dieser Ausgaben adressiert werden. Efficio würde mit Einsparungen von 8 bis 12 % rechnen, in diesem Beispiel entsprechend 8 bis 12 Mio. €. Bei den derzeitigen durchschnittlichen Konditionen am PE-Markt mit einem 8,4-fachen EBITDA bedeutet dies ein Potenzial zur Wertsteigerung von rund 67 bis 100 Mio. € und ein EBITDA-Wachstum von 26 bis 40 %. Bei einem Kaufpreis von 252 Mio. € (8,4 x 30 Mio. €) und unter der Annahme, dass 100 Mio. € Investmentkapital zum Einsatz kommen, könnte die Einkaufsinitiative das 0,67- bis 1,0-fache des investierten PE-Kapitals erbringen.

Was sind nun die wichtigsten Maßnahmen, die Private-Equity-Unternehmen einsetzen, um die Kosten für Einkauf und Supply Chain in ihren Portfoliofirmen zu senken?

Surfer auf dem Meer
  • Einen systematischen Ansatz wählen 

Passende Kooperationspartner können Teil der Antwort sein. Der Trend der letzten zehn Jahre, Branchenerfahrung einzukaufen, um operative Verbesserungen voranzutreiben, führte einige Private-Equity-Firmen dazu, einen hochgradig systematischen Ansatz zu entwickeln, bei dem der Einkauf als Mittel zur EBITDA-Steigerung fungiert.

  • Geschwindigkeit ist ein wesentlicher Faktor

Früher wurden Kostensenkungen und Optimierungen bei Supply-Chain- und Beschaffungsprozessen häufig nur dann überhaupt in Erwägung gezogen, wenn sich ein Portfoliounternehmen nicht nach Plan entwickelte. Dies hat sich in den letzten Jahren verändert. Einige Firmen sehen die Kostenreduzierung im Einkauf in ihrem Portfolio von vornherein immer mehr als zentrale Maßnahme zur Verbesserung der Performance.

Führende Unternehmen haben nun erkannt, dass frühzeitige Einsparungen einen signifikanten Einfluss auf das EBITDA und damit auch auf die langfristige Wertschöpfung haben. Und während es oftmals einen Mitarbeiter im Team gibt, der sich speziell um die Einkaufsoptimierung kümmert, fangen manche sogar bereits mit entsprechenden Planungen an, bevor der Deal überhaupt abgeschlossen ist. Sichert man sich bereits in der Due-Dilligence-Phase Expertenhilfe und führt dann eine detaillierte Analyse potenzieller Einsparungen durch, die bis zu zwei Monate vor der Übernahme der Eigentümerschaft erstellt werden kann, bedeutet dies, dass sich Verbesserungen von Tag eins an umsetzen lassen. Dies schafft zusätzlich freies Kapital für Wachstumsinvestitionen oder ermöglicht sofortige Gewinnsteigerungen.

Erst kürzlich wurde Efficio vor Abschluss des Deals zu einem Dienstleistungsunternehmen geholt, um sicherzustellen, dass die Umsetzung von Einsparungen im Einkauf unmittelbar nach Abschluss der Transaktion starten konnte. Das Unternehmen gewann dadurch drei Monate und konnte in das erste Jahr mit einem positiven EBITDA-Wachstumskurs starten.

  • Einsparungen dauerhaft sichern

Verbesserungen im Einkauf können zu schnell realisierbaren Vorteilen führen. Wichtig ist jedoch, echte, langfristige Mehrwerte zu erzeugen, indem die erforderlichen Tools und die Kontrolle der Einsparungen fest in die Kostenanalyse und die Prozesse der Portfoliounternehmen eingebunden werden. In unserer Arbeit spielt es eine immer wichtigere Rolle, Private-Equity-Unternehmen dabei zu unterstützen, neue Technologien einzusetzen, die Daten über Verwendung und Ausgaben zusammentragen und analysieren, die die Preisgestaltung und die Abrechnungsstrukturen alternativer Lieferanten nachverfolgen und alle relevanten Daten an die KPIs des Unternehmens anbinden, um ein Dashboard für Beschaffung und Einsparungen zu erhalten.

Sichert man sich bereits in der Due-Dilligence-Phase Expertenhilfe und führt dann eine detaillierte Analyse potenzieller Einsparungen durch, die bis zu zwei Monate vor der Übernahme der Eigentümerschaft erstellt werden kann, bedeutet dies, dass sich Verbesserungen von Tag eins an umsetzen lassen.

Mit der kontinuierlichen Unterstützung von externen Einkaufsberatern stellen einige Unternehmen jetzt sicher, dass die Kosten für Einkauf und Supply Chain in den Portfoliounternehmen fortlaufend überwacht werden. Das ermöglicht es ihnen, regelmäßige Analysen ihrer Ausgaben (jährlich oder manchmal sogar vierteljährlich) durchzuführen, die Einhaltung der Verträge zu kontrollieren und so festzustellen, wo zusätzliche Verbesserungen möglich sind. Dieser aktive Management-Ansatz gewährleistet, dass Einsparungen wirklich realisiert werden und langfristig anhalten. 

Der Mehrwert von externen Beratern liegt darin, dass Einsparpotenziale schneller genutzt werden können und gleichzeitig Weiterbildung und Coaching der eigenen Mitarbeiter nach Best-Practice-Methoden sichergestellt werden. Das hilft nicht nur beim Aufbau von Verständnis, sondern trägt auch dazu bei, innerhalb des Unternehmens eine Kultur zu erzeugen, die vom weiteren Ausbau der Effizienz im Einkauf geprägt ist.

Auf die Agenda kommen

Da durchaus herausfordernde Zeiten vor uns liegen, müssen Private-Equity-Unternehmen die Chance nutzen, die Kosten in den Bereichen Einkauf und Supply Chain zu senken und die Effizienz im Einkauf zu verbessern, um die größtmögliche Rendite für Investoren zu erzielen. Die fortschrittlichsten Unternehmen in diesem Bereich verfolgen einen systematischen Ansatz bei der Beschaffung, kümmern sich frühzeitig darum, Einsparungen zu identifizieren und leiten entsprechenden Wandel ein, um sicherzustellen, dass Effizienzsteigerungen auch langfristig erhalten bleiben. Außerdem achten sie darauf, dass die Beschaffung auf Vorstandsebene diskutiert wird und monatlich auf der Agenda steht. Wie agiert Ihr Unternehmen in diesem Bereich?

Über den Autor

Declan Feeney Private Equity Advisor

Checkliste für die ersten 100 Tage als neuer Einkaufsleiter
Leitfaden
Checkliste für die ersten 100 Tage als neuer Einkaufsleiter

Die ersten 100 Tage können für die Karriere eines Einkaufsleiters entscheidend sein – es ist daher äußerst wichtig, sie sinnvoll zu nutzen.

Das Magazin "The Source"
Das Magazin "The Source" abonnieren

Dieser Artikel erschien in "The Source", Efficios internationales Klientenmagazin voller Insights für Einkauf- und Supply-Chain-Manager. Abonnieren Sie unser Magazin kostenfrei hier:

Jetzt abonnieren